Dürfen wir Kalbfleisch essen?

Mein Senf zum Kalbfleisch

Ist es nicht total grausam Kalbfleisch zu essen? Immer öfter kommt die Ethik-Diskussion um diese besonders feine Fleischsorte auf. Wie fast alle Konsum- und Ernährungsfragen muss das jeder für sich entscheiden. Argumente wie “die armen Tierbabys tun mir so leid” kann ich aber nur bedingt nachvollziehen. Für mich gelten hier dieselben Kriterien, wie bei allen anderen Arten von Tierprodukten.

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Laut EU-Vorschriften darf das Kalb bei der Schlachtung höchsten 8 Monate alt sein, ansonsten zählt es zur Kategorie Jungrind (8-12 Monate). Häufig werden die Kälber jedoch jünger geschlachtet (Bio-Vollmilchkälber von Ja!Natürlich** sind bei der Schlachtung z.B. max. 4 Monate alt).

Genau das – das junge Alter bei der Schlachtung – ist häufig ein Kritikpunkt beim Kalbfleischkonsum. Ich kaufe und esse Kalbfleisch – sehr gerne sogar. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen und sehr selten. Jeder von uns muss für sich entscheiden, ob, welches und wie oft er Fleisch essen möchte. Ich maße mir nicht an, hier richtig oder falsch, gut oder böse zu definieren. ABER

Das Argument „Kalb esse ich nicht, weil ich es nicht unterstützen kann, dass so junge Tiere zur Fleischproduktion geschlachtet werden“ lasse ich  nur bedingt gelten. Warum?

  • Das Mindestschlachtalter bei Masthühnern liegt bei 42 Tagen.
  • Schweine aus konventioneller Tierhaltung werden etwa mit 6 Monaten geschlachtet.
  • Selbst Vegetarier blenden – bewusst oder unbewusst – oft aus, dass man mit dem Konsum von Hühnereiern auch unterstützt, dass meistens alle männlichen Küken nach der Geburt getötet werden.*

Das alles sind keine Argumente pro Kalbfleisch, das weiß ich, aber weil ich dieses “die armen Tierbabys”-Argument (inkl. einem gewissen Vorwurf an alle Kalbfleischesser) gerade bei Kalbfleisch so oft auch von Fleischessern höre, halte ich diese Klarstellung für notwendig. Thomas Weber (Herausgeber von BIORAMA und thegap) geht hier in einem großartigen Interview näher auf viele Fragen ein, die ich nicht besser beantworten könnte – viele sehr wahre, wichtige und schlaue Sachen zum Thema “Dürfen wir Tiere töten?”Leseempfehlung.

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Bio-Kalbslungenbraten im Ganzen

 

Kalbfleisch sehe ich als absolutes Ausnahme-Luxusgut, nicht nur auf Grund des höheren Preises sondern eben auch wegen dem ökologischen Hintergrund. Noch wichtiger als die Lebensdauer finde ich, wie gut das Tier gelebt hat, etwa, ob das junge Kalb separiert in einer Einzelbox ohne Bewegungsfreiheit (konventionelle Tierhaltung) oder mit Auslauf bei der Mutterkuh und Artgenossen aufwachsen durfte. Über die Beweggründe, ausschließlich Bio-Fleisch zu kaufen habe ich u.a. hier und hier schon mehrmals geschrieben.

Sehr helles Fleisch scheint bei Feinschmeckern besonders beliebt zu sein, es ist jedoch ein Irrglaube, dass helles Fleisch ein Qualitätsmerkmal ist. Mehr Bewegungsfreiheit = bessere Durchblutung = dunkleres Fleisch. Gerade Bio-Fleisch zeichnet sich daher durch eine eher dunklere Farbe aus. Weißes Fleisch lässt hingegen auf Bewegungsmangel sowie Eisenmangel (kein Raufutter wie Heu und Stroh) schließen. Bio-Kälber bekommen nur frische, natürliche Bio-Milch, das heißt kein Milchaustauscher – z.B. Milchpulver und Fremdfett um höhere Mastintensität zu erreichen. Sehr gutes Kalbfleisch gibt es auch bequem zum Nachhausebestellen bei Porcella.

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Kalbslungenbraten mit Olivenöl, Knoblauch & Rosmarin von @jhaslauer

 

Kalbfleisch grillen?

Kalbskoteletts sind bekannt und beliebt, aber auch magerere Stücke wie der edle Lungenbraten eignen sich zum Grillen. Mann muss nur Acht geben, dass man ihn nicht zu lange grillt, da das feine Fleisch  schnell trocken wird. Was die Grillvorbereitungen betrifft, finde ich Olivenöl, Zitrone, Rosmarin undoder Thymian zu Kalbfleisch am besten. Wie immer beim Fleischgrillen gilt: vor dem Verzehr noch kurz in Alufolie ruhen lassen, die Geduld wird mit einem deutlich feineren Fleischgenuss belohnt 😉 weitere Fleisch-Zubereitungstipps (nicht nur für Kalb) habe ich vor einige Zeit hier gebloggt.

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Beim von Ja! Natürlich veranstalteten #twitcook09 letzte Woche gab es neben vielerlei anderem Bio-Grillgut Kalbslungenbraten, also Fleisch vom allerfeinsten. Dank gebührt nicht nur der hervorragenden Produktqualität sondern auch dem Meister, der sich ihrer angenommen hat, Danke Jürgen von Doppelt schmeckt besser. Wer #twitcook nicht kennt, kann hier mehr darüber erfahren. Chefbabe Barbara hat auch ein paar Eindrücke und Bilder gebloggt.

*Es gibt Unternehmen, die dem entgegenwirken, Toni’s und Ja!Natürlich beispielsweise (es ist ein Anfang). Sie geben dem Konsumenten eine Möglichkeit, Eier zu kaufen ohne die Tötung männlicher Küken voranzutreiben.

**Wie die meisten wissen, schreibe ich als (bezahlter) #bicook auch für den Corporate Blog von Ja!Natürlich die “Küchengeschichten„.Viel länger, als #biocook bin ich jedoch begeisterter und überzeugter Kunde und empfehle als solcher schon lange jene Produkte weiter, die ich besonders gut und unterstützenswert finde. Für derartige Verweise hier auf meinem eigenen Blog bekomme ich weder Geld noch irgendeine Art von Produktsponsoring. Twitcook ist eine kostenlose Veranstaltungsreihe, zu der sich jeder Twitter-User anmelden kann.

EDIT: seit April 2017 arbeite ich hauptberuflich für Ja! Natürlich

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