Foodie-Gedanke zur Fastenzeit

Bei Fastenzeit-Plänen bin ich genauso wenig dabei wie bei Neujahrsvorsätzen, weil ich für mich keinen Sinn darin sehe. Weil aber grad überall die Rede von  Verzicht ist, teile ich hier einen Satz, der mich nicht mehr loslässt, seit ich ihn zum ersten Mal gelesen habe:

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Er stammt von Anna Lappé, einer international bedeutenden Lebensmittel- und Nachhaltigkeitsexpertin, die überhaupt sehr viel schlaues und wichtiges zu sagen hat. (Er gilt natürlich nicht nur für Essen, behaupte ich mal).

Nein, ich lebe bei weitem nicht immer und zu 100% so, wie ich die Welt gerne hätte. Ich trage Kleidung aus denselben Niedriglohnländern wie die meisten von Euch und verwende höchstwahrscheinlich irgendwelches Körperpflegezeug, das Umwelt und Tieren schadet. Aber das ist kein Grund, es nicht dort und da zu versuchen oder zumindest ein paar Alltagsentscheidungen bewusster anzulegen, auch wenn wir die Folgen nicht unmittelbar zu spüren bekommen. Es gibt tatsächlich ganz oft Alternativen Prädikat „bessere Welt“, die gar keinen oder nur ein bisschen Verzicht oder einfach nur Veränderung bedeuten und einen eben nicht überfordern. Nur: Weil wir es ganz einfach nicht müssen, denken wir im hektischen Alltag gar nicht daran. Mir gelingt es auch nur selten, mich mit Dingen, die eh alle tun, oder die ich seit Jahren so mache auseinanderzusetzen. Und selbst wenn, bin ich noch weit davon entfernt, nur Dinge zu kaufen, die ich als meinen Vote für die Welt sehen möchte.

Im Winter komme ich zum Beispiel kaum ohne exotische Früchte aus – zu sehr liebe ich Mango, Ananas und Papaya (so gut wie nie bio). Klar weiß ich, dass es besser wäre, auf die weit gereiste Importware zu verzichten. Vielleicht schaffe ich das irgendwann (eher nicht). Dafür verzichte ich, anders als noch vor ein paar Jahren, auf Tomaten, Zucchini und Gurken mehr aus Alméria oder Marocco, seit ich weiß, wie es dort zugeht (weiß dafür wieder, wie o.g. eigentlich schmecken sollen). Und ich habe mir ein Mal die Mühe gemacht, meinen Alltag zu durchforsten, um alle Produkte von Nestlé und Mondelez zu eliminieren (gar nicht so leicht und sehr beängstigend was da eigentlich alles dazugehört, probiert das mal aus). Es ist nichts großartiges, worauf ich stolz sein kann, aber man kann ja mal mit den Dingen beginnen, die einem leicht fallen. Schwieriger war es für mich schon, meinen Fleischkonsum einzuschränken, weil ich nur noch Bio-Ware kaufe und das ist natürlich um einiges teurer. Bei Fleisch und Eiern bin ich mittlerweile kompromisslos und verzichte lieber mal, als bei der Herkunft Abstriche zu machen.

Was ich mit diesem Post sagen will: Es gibt so viele Möglichkeiten, zu verzichten, die mehr Sinn machen, als Saft-Detox/keine Süßigkeiten/kein Alkohol für ein paar Tage oder Wochen. Konsumentscheidungen hören auch nicht bei Lebensmitteln auf. Sehr cool find ich auch die Idee des Autofastens. Also wenn Euch schon nach Verzicht ist, es gibt bestimmt genau wie in meinem Leben viele kleine Schrauben im Alltag, an denen ihr drehen könnt und das beste: gut essen kann man dabei immer noch.

 

PS: Das ist nur mein persönlicher Zugang zu Fastenzeit & Verzicht, aus meiner Perspektive eines Menschen, der sich das ganze Jahr über ziemlich „gesund“ ernährt und sich weitgehend wohl fühlt. Es liegt mir fern, darüber zu urteilen, wenn jemand die Fastenzeit als Anlass nimmt, irgendwas anderes zu tun.

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