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Gewürzmischungen: Lasst euch nicht abzocken!

Wenn man so durch die verschiedensten Supermärkte oder Feinkostläden spaziert, kommt man kaum mehr vorbei an edel verpackten, prominent platzierten und besonders aufregend und exotisch klingenden Gewürzmischungen. Häufig sind diese mit dem Namen einer/s Promikochs/köchin versehenen. Je exklusiver die Verpackung, umso teurer. Aber die Verpackung will ich ja nicht essen. Was kann der Inhalt?

Zielgruppe der extravaganten Gewürzmischungen sind Hobbyköche wie ich, die mit perfekt abgestimmten, mitunter außergewöhnlichen Gewürzen die eigene Küche auf ein noch spannenderes Level bringen möchten. So gut wie alle größeren Supermärkte haben aufgerüstet. Interspar etwa trumpft schon mit bis zu 1.000 verschiedenen Gewürzen & Salzen auf. Ich zähle ja zweifelsohne zu den Konsumentinnen, die einen überdurchschnittlichen Teil ihres Budgets für Essen & Kochen ausgeben: Zutaten, Restaurants, Küchenequipment, Kochkurse usw. und ich tue das gern, weil Kulinarik nun mal meine große Leidenschaft ist und ich hier liebend gerne mein Geld ausgebe. Wenn allerdings ein Produkt nur deshalb teuer ist, weil ein prominenter Name draufsteht, ist mir das keinen Cent wert.

Mehr Würze braucht das Land!

Meine exorbitante Liebe zu Gewürzen hat auf diesem Blog noch verhältnismäßig wenig Platz bekommen. Zugegeben, ich bin ein bisschen ein Freak. Der viel zitierte Satz eines sehr guten Freundes „Lisa, du bist die einzige Frau, die ich kenn, bei der das Gewürzkastl größer ist als der das Schuhregal“ ist nicht übertrieben. Reisen in diverse asiatische Länder und in die US-Südstaaten haben und mich immer neu inspiriert und mir gezeigt, wie eingeschränkt der Gewürzhorizont in der österreichischen Küche ist. Das ändert sich nun langsam, die Gewürzvielfalt wird auch bei uns interessanter.

Mitbringsel aus Istanbul vom Gewürzbasar

Mitbringsel aus Istanbul vom Gewürzbasar

Teure Gewürze sind ihr Geld oft wert, teure Mischungen eher selten

Gute Produkte dürfen teuer sein.  Nur ist es wie überall sonst auch in der Kulinarik so, dass teuer nicht immer gut oder gar „das Beste“ ist und dass man erst mit der Zeit lernt, worin man sein Geld sinnvoll investiert. Obwohl ich so ein Gewürzfreak bin, bin ich hier gewissermaßen sparsam, besonders wenn es um Gewürzmischungen geht. Die Preise im Bereich der 7 – 8 Euro / 100 g (egal ob im Feinkostladen oder Supermarkt) sind selten auf Grund von besonders hochwertigen Zutaten gerechtfertigt. Um das zu beurteilen, reicht ein Blick auf die Zutatenliste und schon zeigt sich: viele der prominent beschrifteten Gewürzmischungen sind relativ banal und bestehen aus günstigen Einzelgewürzen wie Salz, Paprikapulver, Zwiebelpulver etc. Qualitativ meistens eh OK, aber den hohen Preis zahlt man eher für Marketing, Verpackung, prominentes Placement im Geschäft oder die Promi-Testimonials als für das Gewürz an sich.

SCHMÄHMIUM STATT PREMIUM

Die für mich kuriosesten Beispiele für minderwertige Produkte mit Premiumetikett liefert ein renommierter (handwerklich vermutlich großartiger) deutscher Spitzenkoch. Ob erotischer Curry oder sexy Pfeffermühle – an Ideen und Wunderheilerunfug mangelt es offenbar nicht. Er positioniert sich gerne aufdringlich auffällig als Gewürzkoryphäe, was ihm überraschend viele Fans abkaufen, wobei die Produkte ziemlich wahllos zusammengemischt wirken: Kümmel und Rosmarin in einem Thai-Curry?! Beides wird in der asiatischen Küche so gut wie nie verwendetSpätestens, wenn ich seinen Namen sogar auf Fertiggerichten mit zugesetzte Aromen und Geschmacksverstärkern finde, ist eines klar: Es geht allein darum, den Namen zu vermarkten und nicht um hochwertige Produkte. Danke, aber nein Danke!

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Gewürzmischungen mache ich am liebsten im Mörser, um die Aromen freizusetzen

Gewürze selbst mischen spart Geld und macht kreativ

Daher kaufe ich seit Jahren einzelne Ingredienzien wie Paprikapulver, Koriander, Curcuma, etc. aber auch weniger bekanntes wie Schwarzkümmel relativ günstig als Einzelprodukt ein und mache aus diesem breiten Repertoire meine eigenen Gewürzmischungen. Dabei investiert man am Anfang in ein Basissortiment an Gewürzen, spart sich in Summe aber einiges an Geld im Vergleich zum Kauf von vielen einzelnen speziellen Gewürzmischungen. Außerdem braucht man diese oft nur für ein/wenige Gericht/e und dann stehen sie ewig herum und verlieren ihr Aroma. Mit den einzelnen Basics bleibt man flexibel. Natürlich erfordert das Selbstmischen ein bisschen Übung und Auseinandersetzung mit der Materie (ein Rezept findet ihr unten). Beides macht mir großen Spaß. Für die Basics an Gewürzen habe ich gute Quellen gefunden.

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Bei Gewürzmischungen, die ich öfter verwende, mache ich eine größere Menge und bewahre sie in Schraubgläsern auf

Wo kaufe ich Gewürze ein?

Zuerst: nicht am Naschmarkt, hier gilt wieder: Lasst euch nicht abzocken. Viele Basics an Gewürzen und getrockneten Kräutern bekommt man im gut sortierten Supermarkt. Merkur und größere Spar-Filialen sind mittlerweile recht gut sortiert. Eine große und vor allem günstige Auswahl gibt es bei Nakwon, wo ich sehr viel einkaufe. Dort finde ich auch exotischeres und je nach Gewürz sind die Preise häufig deutlich günstiger als im Supermarkt. Auch Prosi hat eine riesige Auswahl an Exoten. Für herausragende Qualität und vor allem ausgezeichnete Beratung geht ihr am besten zu Babettes (ACHTUNG, es besteht die Gefahr, das Geschäft mit dem geplanten Gewürz + 3 Kochbüchern wieder zu verlassen). Dort kaufe ich vor allem dann ein, wenn ich besondere Spezialitäten brauche.

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Bio-Kubeben-Pfeffer aus der Pfefferei

Das Gewürz im Mittelpunkt

Für besondere Experimente/Anlässe gebe ich nämlich gerne mal mehr Geld für Gewürze aus. Dann muss es aber das Gewürz an sich wert sein, nicht der Name oder die Verpackung. Beispiele dafür sind echter Safran oder Tahiti-Vanille. Solche Luxuszutaten stehen dann im Mittelpunkt des Gerichts. Ich liebe es, ein Gericht rund um ein Gewürz zu kreieren. Das kann auch der vermeintlich banale Pfeffer sein: Wisst ihr, wie viele unterschiedliche, tolle, spannende Sorten es gibt? Diese haben es verdient, das Highlight eines Gerichts zu werden. Wenn ich sowas brauche, gehe ich zur Pfefferei, dort findet man wahre Schätze, noch dazu in Bio-Qualität, zu vernünftigen Preisen. Pfefferexperte Markus kennt sich aus! (Ich liebe den Tellicherry-Pfeffer!!) Das sind für mich echte Premiumgewürze, die ihr Geld wert sind.

Genug Gepredigt, jetzt wird gemischt!

Um zu zeigen, wie einfach und günstig ihr eure eigene Gewürzmischung herstellen könnt, teile ich heute mit Euch eines meiner liebsten Rezepte. Gelernt habe ich diese Mischung in New Orleans bei einem Kochkurs für traditionelle Cajun-Küche und nur leicht abgewandelt, im Originalrezept ist nämlich noch getrockneter Basilikum drin und den halte ich für absolut unbrauchbar. Das N’awlins Seasoning eignet sich perfekt für alle Arten von Eintöpfen, Gulasch usw., also Schmorgerichte, wie sie für die Südstaatenküche typisch sind (z.B. Gumbo). Die Zutaten bekommt ihr in jedem Supermarkt, es ist also weder viel Geld nötig, noch sind die Zutaten kompliziert zu bekommen. Ihr spart Geld und habt keine versteckten Aromen oder Zucker in eurem frisch gekochten Essen.

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Die Südstaaten-Granny, von der ich in New Orleans lernen durfte

Gewürze selber Mischen: REzept für N’awlins seasoninG

  • 1 EL Knoblauchpulver
  • 1 EL Zwiebelpulver
  • 2 EL Thymian
  • 2 EL gemahlene Lorbeerblätter (Blätter selbst im Mörser zermahlen)
  • 1 EL getrockneter Petersil
  • 2 EL schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 EL Cayennepfeffer
  • 180 g Salz

Einfach alles zusammen mischen und in einem Glas luftdicht aufbewahren – ist auch ein super Mitbringsel!

 

5 Gedanken zu “Gewürzmischungen: Lasst euch nicht abzocken!

      • simonecrown schreibt:

        Wenn das Projekt, an dem ich gerade arbeite, nach Abschluss so erfolgreich ist wie ich es mir wünschen würde, ist ein Monat New Orleans meine Belohnung (und gerade auch meine Motivation).

        Wenn du noch mehr Infos zur New Orleans hast… nur her damit! 🙂

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