Gorilla Kitchen: Gutes Fast Food in Wien

Es gibt Burritos, richtig gute, aber davon überzeugt sich jeder am besten selbst. Bei meinem Besuch in der Gorilla Kitchen sind mir ein paar vermeintliche Kleinigkeiten aufgefallen. Und die verdienen Aufmerksamkeit, weil dahinter bewusste Entscheidungen der Verantwortlichen stecken, die gelobt gehören. Für manche sind es vielleicht unwichtige Kleinigkeiten, für mich machen sie genau den Unterschied, warum ich in die Gorilla Kitchen gehe und woanders hin nicht. Manchmal braucht man einfach Fast Food und dann sind solche Orte wie dieser mit Gastronomen wie diesen ein Segen.

1 Keine Alufolie

Normalerweise werden Burritos in Alufolie gewickelt, damit sie warm bleiben und on the go verzehrt werden können. In der Gorilla Kitchen kommen sie direkt vom Grill in Papier, weil Christoph und Lisa keine Alufolie wollen – etwas, das ich auch bei den Streetfood-Pionieren  Wrapstars sehr schätze. Für mich ein wesentliches Burrito-Kriterium, nicht nur optisch. Mit der Optik haben sie sowieso gewonnen, schaut euch bitte das Papier an.

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Weiß statt silber.

Es mag wie ein unwichtiges Detail am Rande erscheinen, aber ich finde es unbedingt erwähnenswert. Weil Alufolie braucht wirklich niemand. #becauseits2016

Durch die Grillplatte werden die Burritos knusprig und fein aromatisch

Durch die Grillplatte werden die Burritos knusprig und fein aromatisch

Der so dilettantisch gerollte vorne ist übrigens von mir, Lisa und Christoph machen das natürlich ordentlich.

2 veganes Fast Food in Wien, die gute art

Als überzeugte Omnivorin habe ich freilich alles probiert, was Lisa und Christoph sich so überlegt haben. Das Pulled Pork war eine Sensation, auch Guinness Rind nach Spezialrezeptur und Rotweinhendl schmecken äußerst  fein, wobei letzteres weniger Rotweingeschmack hat, als der Name vermuten lässt. Und das ist wohl gut so. Die größte Freude hatte ich aber am veganen Sandwich. Das gibt’s nämlich mit einer meiner allerliebsten Kombinationen überhaupt: Avocado & Kräuterseitling. Bitte holt euch das!

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Luftig-knuspriges Sandwichweckerl mit Ruccola, Kräuterseitlingen und Avocado. So muss vegan!

Endlich ein Laden, der versteht, dass man für veganes Angebot kein „Vleisch“ „Tofüwürstel“ oder sonstigen industriell verarbeiteten Mist braucht, der ohnehin geschmacklich keinen Sinn ergibt. Mutter Natur kann vegan nämlich am besten. Auch bei Fast Food. Danke, liebe Gorilla Kitchen, danke!

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Auch bei den Burritos gibt es vegane Füllungen mit Kichererbsen-Mangold oder Tofu-Lotus

Was die fleischigen Füllungen betrifft: Natürlich wäre mir Bio-Fleisch lieber. Ich weiß aber auch, dass das im Fast Food Geschäft nicht ganz einfach ist. Die Entscheidung wird wenigstens nicht bedenkenlos getroffen, wie ich im Gespräch mit Christoph gemerkt habe. Das Fleisch kommt nicht vom Großmarkt. Lisa und Christoph pflegen persönliche Beziehungen zu Kleinbauern  im Waldviertel, wie sie sagen, und wissen, wie die Tiere leben. Immerhin. Ob einem das ausreicht, kann jeder selbst entscheiden. Die vegane Variante war jedenfalls mein persönliches Highlight, also im Zweifelsfall einfach mal aufs Fleisch verzichten.

Das Pulled Pork war mein Favorit unter den Fleischspeisen

Das Pulled Pork war mein Favorit unter den Fleischspeisen

3 Autcider

Da hab ich mich aber mächtig gefreut, als ich den im Kühlschrank entdeckt habe: Most aus alten Sorten straight from Mühlviertel. Was ob der Enns seit eh und je von jedem über 8 getrunken wird, wird offenbar auch an Wiener Hipster vermarktet. Mir soll’s recht sein, weil so bekomme ich zum Burrito den Most vom Schober aus Naarn  Und wenn die zur Flasche gehörende, lapidare Website in Comic Sans vermeldet „Freizeitprojekt zur Verbreitung der Mostkultur“, dann hüpft das Herz der Oberösterreicherin in Wien. Das ist zu unterstützen. #nehmtmeingeldgorillakitchen_autcider(C)vockenhuber

4 Der bessere Coleslaw

Spätestens seit dem Burger-Hype ist Coleslaw als Bezeichnung für cremigen Krautsalat in der heimischen Gastronomie geläufig. Meistens wünsche ich mir aber, die Österreicher wären doch beim guten alten Krautsalat geblieben, denn die in (minderwertiger) Mayonnaise ersoffenen Krautstreifen lösen akuten Brechreiz aus. Applaus für die Gorilla Kitchen, weil man sich hier auf den eigenen Geschmack verlässt anstatt auf das, was aus den USA kommt. Der Coleslaw wird mit Sauerrahm und Creme Fraiche gemacht, wie ich ihn auch gern mache. Muchos Gracias und ich bestelle mir gleich eine extra Schüssel.

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5 Keine Convenience

Und das ist bei Burritos alles andere als selbstverständlich Die Tatsache, dass bei der Gorilla Kitchen nur selbst gemachtes über die Theke kommt, schlägt sich natürlich im Preis nieder (Arbeitsaufwand, Verderblichkeit, Zutatenqualität…) und damit sind die Preise aus meiner Sicht wirklich fair. Fast Food heißt hier eben nicht Tiefpreis, zum Glück. Das einzige, was zugekauft wird, sind Brote (keine 0815-Ware, sondern echt gute), Nachos und die Weizenfladen. Folglich steht auch keine Fritteuse im Lokal, was sehr angenehm ist, wenn man ein bisschen bleiben möchte. Die zur Wahl stehenden Saucen werden liebevoll selbstgemacht und das schmeckt man, eh klar. Fertigsaucen sind einfach grindig und nicht mal einen Tiefpreis wert.

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Die Salsas: Olive-Tomate-Kapern, Guacamole, Orange-Chili und Habanero-Limette (mein Favorit) nebst Koriandergrün

Das Reuben Sandwich mit Mayo, Coleslaw und Corned Beef - alles hausgemacht

Das Reuben Sandwich mit Mayo, Coleslaw und Corned Beef – alles hausgemacht

Das selbstgemachte Corned Beef

Das selbstgemachte Corned Beef, zart und würzig

6 Die beiden Besitzer – Christoph und Lisa

Zwei wahnsinnig liebe Menschen, die ich da in der Gorilla Kitchen getroffen habe. Sie sind spürbar mit sehr, sehr viel Leidenschaft dabei und ich hoffe, dass sich der gebührende Erfolg in der Gußhausstraße einstellt.  Wenige Tage vor der großen Eröffnungsparty haben sie mir mit beeindruckender Gelassenheit alles gezeigt, erklärt und waren super gelaunt. Da ist man einfach gerne Gast. In die Rezepturen haben sie viel Herzblut gesteckt, das merkt man nicht nur beim Essen, sondern vor allem, wenn sie über die Zubereitung reden. Man hat sofort ein gewisses Vertrauen, dass ihnen nix in die Fladen kommt, was sie nicht selbst gern essen würden.

Ein geniales, sympathisches Team

Ein geniales, sympathisches Team, Christoph Heger und Lisa Grabner

Geschmackssache

Ich komme also in jedem Fall bald wieder. Es gibt – abgesehen von Biofleisch- nur ein paar Kleinigkeiten von Wünschen, die bei mir als Gast offen bleiben, also wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre:

  • Der Koriander gehört für bestes Aroma  gleich direkt in den Reis, nicht erst danach in den Burrito. Aber ich weiß eh, dass das die Besitzer auch wissen, und der Korianderkompromiss den gefühlten 50% der Koriander-Banausen geschuldet ist, die meinen, Dinge mit Koriander nicht essen zu wollen. Bedauerlich, aber verständlich aus Gastronomensicht. Liebe Gäste, may Koriander be with you!
  • Vollkorntortillas wären fein, wenn es denn solche überhaupt von guten Lieferanten gibt. Das weiß ich nämlich nicht mal, weil  ich meine selbst mache. Auch das ist sicher eine Geschmackssache. Ich persönlich ziehe quasi immer die naturbelassenen Mehle den ausgesiebten vor, es sei denn ein Teig/Gericht erfordert unbedingt Weißmehl.

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Wo kriegt man in Wien gute Burritos?

Nach Schließung des Standorts in der Ziegelofengasse werken die Gorillas jetzt in der Ecke Argentinierstraße/Gußhausstraße, ganz in der Nähe vom Karlsplatz.

Öffnungszeiten der Gorilla Kitchen:

Seit gestern ist offen. Ab sofort Montag bis Samstag 11:30 – 22 Uhr

außerdem:

Wer nicht genug von Burritos bekommen kann, sollte außerdem nach den Wrapstars Ausschau halten, die sind nämlich mit ihrem Truck auf den Straßen unterwegs um ordentliches Fast Food unter die Leute zu bringen. Auch deren Burritos sind 1A, ohne Alufolie und gerollt von sehr feinen Menschen. Dort gibt’s sogar Bio-Rind, also catch ‚em if you can!

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Dies ist kein sponsored post und ich habe keine außergewöhnliche Beziehung zur Gorilla Kitchen. Ich durfte freundlicherweise vor der großen Eröffnungssause neugierig in die Küche kommen, zuschauen, probieren, viele Fragen stellen und kläglich daran scheitern selbst einen Burrito zu rollen. Danke für Eure Zeit und bis bald!

PS: Dass Burritos nicht wirklich mexikanisches Essen sind, habe ich hier schon erklärt.

5 Gedanken zu “Gorilla Kitchen: Gutes Fast Food in Wien

  1. jpattiss schreibt:

    Grosse Zustimmung – GK ist wirklich eine Sünde wert! Aber wenn wir schon beim Wunschkonzert sind, dann könnten sie sich bitte ein vernünftiges Bier zu den Burritos besorgen.. Klar ist ein Kühlschrank einfacher zu handlen als eine Zapfanlage, aber es gibt auch Flaschenbier, das den Namen verdient (Bier – nicht Flasche).. Ich werd mit den Hipster-Kracherln leider nicht warm…

  2. Wuati schreibt:

    in Deinem Fall würde ich Dir das köstliche Schnaitl Bier empfehlen. Das ist ein wirklich gutes österreichisches Bier und definitiv kein Hipster-Kracherl!

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