Warum ich keine Alu-Grilltassen kaufe

Ich liebe grillen. Seit ich endlich in einer Wohnung mit kleiner Outdoor-Area wohne, genieße ich es sehr, innerhalb kürzester Zeit den Gasgrill anwerfen zu können. Dementsprechend oft wird er genutzt (bei teuren Anschaffungen rechne ich übrigens in cost-per-use, insofern war der hochwertige Grill trotz dem ziemlich hohen Preis schon jetzt eine meiner besten Investitionen ever!). In schönen Sommerwochen kommt es vor, dass ich mehrmals grille, allein schon weil es draußen so viel angenehmer ist als in der Wohnung. Ich grille auch das ganze Jahr – im Winter zwar seltener, aber dennoch. Das einzige, was mich am Grillen immer schon gestört hat, egal ob bei mir oder woanders, war der Müll, der durch die Grilltassen anfällt – Alu noch dazu. Ich möchte mich weiterhin berechtigterweise über die Kapselkaffeehersteller aufpudeln und das kann ich nicht, wenn ich als High-Frequency-Griller selbst regelmäßig Alumüll produziere. Das Material der Einweg-Grilltassen ist schlechter als die billigste Bratpfanne, sie sind auf Dauer teuer und vor allem umweltschädlich. Also weg damit – egal ob Holzkohle- oder Gasgrill.

Grillen ohne Alutassen

Gegrillt wird am Rost, dazu ist er da

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das meiste Grillgut muss ohnehin immer direkt auf den Rost: Fleisch sowieso, Fisch auch fast immer (Fischgrillzange) und größere Gemüsestücke. Wer hier Grilltassen verwendet, hat außer der frischen Luft gar nix vom Grillen. Da würde ich lieber gleich eine gute Pfanne am Herd verwenden. Selbst der beste Griller ist nämlich umsonst, wenn die Grilltassen die Hitzeeinwirkung behindern. Starke, direkte Hitze ist, was wir beim Grillen wollen, zumindest kurzzeitig. Man kann diesen ersten unerträglichen Nachteil der Grilltassen gut beobachten, wenn Saft aus dem Grillgut austritt und es dann in der Grilltasse mehr dahindünstet als grillt. Schad drum! Das geschieht einfach deshalb, weil die Hitzeeinwirkung zu gering ist. Kein einziger der Grillprofis, bei dem ich bisher Kurse gemacht habe oder so zu Gast war, hat je Alugrilltassen verwendet.

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Gutes Fleisch hat einen guten Grillrost verdient

UND WENN ICH DOCH EINE GRILLTASSE BRAUCHE?

DIE MEHRWEG-GRILLTASSE

Jetzt kommt das „aber“: Für einige Gemüsevarianten, z.B. kleinere Gemüsestücke, gefüllte Tomaten oder sonstige Zuspeisen aus denen Käse o. Ä. tropfen könnte, brauche ich doch ab und zu eine Grilltasse. Ich habe ein wenig recherchiert, ob es nicht brauchbare Alternativen für dauerhaften Einsatz gibt und: ja, gibt es natürlich!

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Ich bin mit dieser großen Edelstahl-Grilltasse wirklich zufrieden, habe ein Stück davon und komme damit bestens aus. Bonus: sie eignet sich auch zum Marinieren. Sie kostet keine 20 Euro beim Online-Grillshop Madlener, den ich generell empfehlen kann. Außerdem mag ich die praktischen Edelstahlkörbe mit Löchern (s.u.), die es z.B. von Weber in verschiedenen Größen gibt. Warum verwendet die fast keiner? Und warum verwenden so viele Leute für ALLES die grindigen Alu-Wegwerfprodukte? Zweiteres wahrscheinlich, weil das gebetsmühlenartige Warnen vor lebensgefährlichen Giftstoffen (EINSEINSELF!!!!!111) jedes Jahr wieder dankbar von der medialen Herde unreflektiert nachgeblökt wird und gleich mit der absurden Empfehlung für Grilltassen einhergeht, die den Kauf der gängigen Wegwerfprodukte fördert.

Das ist eigentlich der Weber Gemüsekorb, wir verwenden ihn auch manchmal für Hendl

Den Weber Gemüsekorb verwenden auch manchmal für Hendlteile, die brauchen nur mäßige Hitze

Ist das Grillen am Rost nicht gesundheitsschädlich?

Ja, mir sind die zwei Hauptgründe bekannt, warum ordentliches Grillen am Rost in Verruf geraten ist. Der erste ist, dass im emporsteigenden Rauch möglicherweise krebserregende „polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“ (sog. PAK) sind. Die Vorgehensweise macht hier einen enormen Unterschied, zwei Kapitalfehler führen nämlich zu besonders starker PAK-Entwicklung:

  • Zu frühes Auflegen: Die Kohle muss gut durchgeglüht sein, also hell außen und sollte nicht mehr rauchen oder brennen. Ungeduld verliert. Richtige Glut ist geschmacklich und gesundheitlich essentiell.
  • Um zu vermeiden, dass Fett in die Glut oder auf die Heizstäbe des Gasgrills tropft, lege ich das Grillgut einfach nicht vor Öl triefend auf den Grill. Und man löscht auch nicht mit Bier oder sonstigem ab. Wer Marinade einsetzt, sollte diese vor dem Grillen abtupfen/gut abtropfen lassen. Herrliches Bio-Rindfleisch beispielsweise, dessen puren Geschmack ich liebe, grille ich persönlich am liebsten unmariniert und verfeinere das Fleisch erst vor dem Servieren mit aromatischem Öl oder Kräuterbutter etc. Eine weitere Alternative sind trockene Gewürz-Rubs. Je nach Grillgut wird dadurch das Risiko minimiert oder ganz ausgeräumt.
Wenn mariniert, dann gut abtropfen lassen

Wenn mariniert, dann gut abtropfen lassen

Ich will gesundheitliche Risiken gar nicht leugnen, dafür fehlt mir die wissenschaftliche Kompetenz. Der springende Punkt ist aber: Es gibt mindestens so gute Gründe, vor Aluminium zu warnen, aus dem die Einweggrilltassen in der Regel bestehen. Daher bin ich immer wieder erstaunt, mit welcher Vehemenz Grilltassen von ErnährungsexpertInnen und MedizinerInnen empfohlen werden. Die rücksichtslose Verwendung von Aluminium ist allein aufgrund der katastrophalen Umweltbilanz generell abzulehnen. Die Auswirkungen von Aluminium in Lebensmittel und Kosmetika rufen zusätzlich zur Umweltproblematik, rein aus gesundheitlicher Sicht zunehmend Bedenken hervor. Vor allem Salz und Säure greifen Aluminium an, wodurch Lebensmittel, die damit in Berührung kommen, giftige Substanzen besonders effektiv aufnehmen. Z.B. wurden Ende 2014 bei Tests in Bayern in jeder 5. Brezel schwer bedenkliche Aluminumwerte festgestellt, weil diese mit Natronlauge behandelt und auf Alublechen gebacken wurden.

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Der zweite populärer Grund zur Panik sind „heterozyklische Amine“ (HCA). Selbst wenn sie wirklich so gefährlich sind, wie es immer wieder im Zusammenhang mit Grillen betont wird: HCA sind kein Spezifikum des Grillens, sondern entstehen generell bei starker Hitzeeinwirkung auf proteinhaltige Lebensmittel (Stichwort Maillard-Reaktion). Bloß beim Grillen sorgt man sich offenbar besonders darüber. Angenommen ich möchte dieses Risiko keinesfalls eingehen, würde ich immer noch lieber eine schonende Methode wie Dampfgaren oder Niedrigtemperaturgaren einsetzen als ein Wegwerf-Grilltasse. Eine Alugrilltasse hat keinen einzigen Vorteil, außer für die, die damit Geld verdienen.

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So sehr ich Fleisch liebe und schätze, überwiegen bei der Häufigkeit meiner Grill-Sessions mittlerweile vegetarische Speisen, immerhin gibt es jetzt das herrlichste Gemüse! Da spielen HCA sowieso keine Rolle. HCA und PAK beziehen sich außerdem v.a. aufs direkte Grillen, bei der Vielzahl an Grillmethoden heutzutage eine sehr undifferenzierte, oberflächliche Debatte.

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Als einzigen Vorteil könnte man sehen, dass durch Grilltassen der Grillrost komplett sauber bleibt und man nichts putzen muss. Aus dem selben Grund könnte man generell nur noch Wegwerfgeschirr verwenden. Dass das Unsinn ist, ist hoffentlich klar. Wer ein bisschen Reinigen/Aufräumen nicht erträgt, sollte Kochen und Grillen zuhause generell eher bleiben lassen.

Weitere Tipps fürs Grillen ohne Grilltassen

  • Den Rost gut einölen – nicht so, dass er tropft, aber ausreichend, um das Ankleben des Grillguts zu unterbinden. Das ist das A und O beim Grillen ohne Marinade und macht auch die Reinigung viel einfacher.
  • Ankleben des Grillguts vermeidet man außerdem, indem man es nicht zu früh wendet. Sobald die Unterseite eine Kruste gebildet hat, löst es sich auch leichter.
  • Den Grillrost immer gut reinigen. Eine ordentliche Drahtbürste ist dafür ein Muss. Beim Gasgrill heize ich den Rost nach Verwendung ein paar Minuten nochmal voll auf, bis alle Rückstände ärgstens verbrannt sind. Die lassen sich dann ganz leicht mit der Drahtbürste wegbürsten. Für die nächste Verwendung wird der Rost dann wieder eingeölt.
  • Wer Angst vor aufsteigendem Rauch hat, kann auch eine gusseiserne Grillplatte („Plancha“) in Erwägung ziehen, die es für viele Griller als Zubehör gibt. Diese gewährleistet ordentliche Hitze bis zu 350°C, ermöglicht außerdem die Zubereitung von Frühstücksklassikern wie Eiergerichten und Bacon und ist leicht zu reinigen. Ich selbst hab noch keine in Verwendung, erwäge aber gerade, mir diese zuzulegen.
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Bei Verwendung einer gusseisernen Grillplate („Plancha“) besteht keine Gefahr durch aufsteigenden giftigen Rauch

Nun bin ich freilich keine Toxikologin und ich teile hier vor allem meine persönliche Einstellung, die ich nach umfassender Recherche und Grillerfahrung für richtig halte.  Für mich persönlich überwiegen bei Alugrilltassen die Nachteile bei weitem die Vorteile (es gibt keine) und daher sind sie komplett aus meinem Grillvergnügen verbannt.

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Ich glaube durchaus einen gesunden Lebensstil zu führen und bin keinesfalls ignorant, was gesunde Ernährung betrifft. Aber man muss sich bei der Vielzahl an Nachrichten zu möglicherweise gesundheitsschädlichen Dingen, die uns tagtäglich erreichen, nicht von jeder Panikmache den Genuss verderben lassen – schon gar nicht, wenn die vermeintliche Abhilfe teurer, umweltschädlicher und mit ziemlicher Sicherheit ebenso gesundheitsschädlich ist. Sollte sich jemand unter meinen LeserInnen bemüßigt fühlen, mich zu diesem Thema eines besseren zu belehren: bitte nur zu, dafür sind die Kommentare auch da, ich lerne gern dazu!

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