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Mein erster Besuch am Schwarzbergerhof

Manchmal passiert es, dass Leute mit richtig viel Geld etwas echt cooles, sinnvolles damit machen. Den Schwarzbergerhof zum Beispiel. Der Bauunternehmer Edmund Wall hat rund 6 Mio. Euro investiert, um einen ethisch anspruchsvollen Bauernhof umzusetzen, der den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden kann. Natürlich ist ein Vergleich mit anderen Bauernhöfen unzulässig. Dennoch gefällt mir, was hier passiert ist. Man merkt, dass Wall sich aus persönlicher Überzeugung mit dem Thema befasst hat und das nicht erst seit gestern.  Dass sein Traum (und es ist wirklich ein bisschen wie im Traum) im oberösterreichischen Mühlviertel realisiert wurde, freut mich natürlich besonders. (Genau: Schönau im Mühlkreis, Pierbach)

Bild: Schwarzbergerhof

Auf einer Anhöhe gelegen, hat der Hof einen traumhaften Blick über die Mühlviertler Natur (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

Das musste ich mir natürlich ansehen und war irre neugierig, als ich eingeladen wurde, mir den Betrieb anzusehen. Petra Kammerer, die den Hof leitet, nahm uns in Empfang und beantwortete  geduldig alle Fragen. Danke für deine Zeit, liebe Petra. Es klingt ein bisschen zu schön um wahr zu sein, aber es ist wirklich beeindruckend und toll, was hier entstanden ist. Davon kann sich jeder selbst überzeugen.
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Schön zu sehen, wie hier gearbeitet wird: Rinder mit Hörnern (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

Was macht den Schwarzbergerhof so besonders?

In vielen Bereichen werden die Kriterien für einen Bio-Betrieb deutlich übererfüllt. Besonders bei der Tierhaltung und Schlachtung. Zweitere passiert nach überdurchschnittlicher Lebensdauer fachkundig direkt am Hof, ohne Transportstress und in geringer Frequenz. Die Tiere leben ganzjährig draußen im natürlichen Herdenverbund. Der Schwarzbergerhof ermöglicht Mutterkuhhaltung, die Kälber dürfen also bei den Muttertieren aufwachsen und werden ihnen nicht entrissen. Die komplette Milch gehört den Kälbern. Die Rinder dürfen ihre natürlichen Hörner behalten. Das ist beim Großteil der Nutztiere (auch bei vielen Bio-Tieren) in Österreich nicht der Fall. Nur bei Demeter-Betrieben ist das Enthornen streng verboten. Die Hörner sind aber wichtig für das Sozialverhalten der Tiere, das Entfernen kann zudem Schmerzen verursachen. Die Schweine dürfen Ringelschwänzchen und Zähne behalten, wie sie die Natur vorgesehen hat. Verfüttert wird artgerechtes Bio-Futter, kein Soja, kein Mais oder sonstiges Kraftfutter. All das ist für die Tiere „ganz normal“, heutzutage aber leider eine Seltenheit.

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Die Kälber wachsen in Mutterkuhhaltung auf, leider eine Seltenheit heutzutage (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

 

 

Viel, viel Platz für artgerechte Haltung

Den gibt es hier wirklich reichlich. Rund 50 Hektar aktuell, eventuell wird man noch umliegende Gründe zukaufen um z.B. auch Hühner zu halten. Wer hier Tier sein darf, hat Glück. Aktuell gibt es:

FREILANDSCHWEINE

Turopolje, Schwäbisch-Hällische und Duroc sind besonders robuste Rassen und daher sehr gut geeignet für die Freilandhaltung. Obendrein bringen sie gute genetische Voraussetzungen für Fleischqualität mit. Sie wühlen rund um den Hof auf der Weide und in den Waldböden nach Wurzelwerk.

Schwäbisch-Hällische, eine von drei Schweinerassen am Hof (Bild: Schwarzbergerhof)

Schwäbisch-Hällische, eine von drei Schweinerassen am Hof (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

FREILANDRINDER

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Bei schlechterem Wetter halten sich die Tiere aber auch ganz gern im eingestreuten Freilaufstall auf

Angus, Waldviertler Blondvieh und Murbodner sind die drei alten Rassen, die der Schwarzbergerhof beherbergt. Sie bewegen sich reichlich, um ein fein marmoriertes Fleisch zu entwickeln. Als Futter bekommen sie Heu, Biosilage und angepasste Rationen Biogetreide.IMG_2650

 

Wild

Sika-Wild und Wildschweine leben im angrenzenden Eichenwald auf 160 Hektar, wild im natürlichen Herdenverbund. Treibjagd kommt nicht in Frage.

Sikawild (Bild: Schwarzbergerhof)

Sikawild (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

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Neben Hausschweinen gibt es auch Wildschweine (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

 

 

Edmund Wall hat sich mit diesem Hof einen Traum erfüllt. In den letzten Jahren hat er sich intensiv mit dem Thema Tierhaltung und Produktion tierischer Nahrungsmittel befasst. Dass er auch viel in Marketing investiert, ist ihm nicht negativ anzurechnen.

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Ein Mann, dem man dankbar sein sollte: Edmund Wall (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

 

Klar kann man jetzt sagen: „Der kann sich’s ja leisten“. Edmund Wall wird mit den wenigsten Problemen konfrontiert sein, die unsere Bauern zu bewältigen haben und hat es sicher leichter, ethische Anforderungen zu erfüllen. Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen: erstens sucht der Schwarzbergerhof nicht den Vergleich mit anderen Bauernhöfen und nimmt diesen auch kein Geschäft weg. Zweitens finde ich es erfreulich, wenn erfolgreiche, in der Wirtschaft erfahrene Menschen mit dem entsprechenden Budget ihre Millionen in solche Projekte investieren, anstatt in Porsche, Schmuck oder sonstige Luxusgüter. Wenn jemand mit viel Geld eine Leidenschaft für ein so wichtiges Thema hat, ist das ein Glücksfall. Für die Tiere und für die Menschen die dort Kurzurlaub machen, einkaufen und Gast sein können.schwarzbergerhof

Der Investor selbst arbeitet übrigens nicht tagtäglich am Hof. Das überlässt er Profis und das merkt man auch. Mit der landwirtschaftlichen Leitung hat er den erfahrenen Christoph von Hohberg, für die Betriebsleitung Petra Kammerer betraut. Mit Simon Wöckl steht ein hervorragender Bäcker in der Backstube. Beim Fleisch ist Metzgermeister Michael Hackl am Werk, der ein Mal pro Woche schlachtet und das Fleisch weiterverarbeitet, zu Wurst beispielsweise. Dazu gibt es mit David Krieger einen tollen Küchenchef, der sich um die Wünsche der Gäste kümmert. Er kann am Schwarzbergerhof aus dem Vollen schöpfen, denn der Anspruch an die Zutatenqualität wird auf allen Ebenen mitgetragen. Sie alle sind gerne bereit, sich bei der Arbeit über die Schulter schauen zu lassen. Ja, es ist sogar erwünscht – super, wenn man so neugierig ist wie ich.

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Einweisung in die Kunst des Wurstens

 

 

 

Nose to Tail

Was zum Glück immer mehr Betriebe vom Fleischhauer bis zur Spitzengastronomie forcieren, passiert auch hier: Nose-to-Tail-Verarbeitung. Das heißt, dass von den geschlachteten Tieren alles bestmöglich verarbeitet wird, anstatt nur Edelteile zu verkaufen. Logisch, dass daher viel Wurst produziert wird – die ist freilich vom Feinsten!

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Ausreichend eigene Selch- und Reiferäumlichkeiten wurden am Hof vorgesehen – ein echter Traumhof eben!

 

 

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Die eigene Backstube: klein, aber fein (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

 

Was kann man am Schwarzbergerhof so tun?

Es lohnt sich aus vielerlei Gründen, sich auf den Weg zum Schwarzbergerhof zu machen:

  • Führungen inkl. Verkostungen, Schlachtung inklusive
  • Kochkurse
  • Bauernhof-Kino
  • Genießen: Z.B. Hausgemachte Bratl und andere Hausmannskost in Mehr-als-nur-Bio-Qualität (auf Vorbestellung).
  • Seminare, Feiern, Anlässe aller Art – einfach fragen, der Hof ist wirklich toll ausgestattet!
  • Wein trinken
  • im originell und liebevoll bestückten Hofladen einkaufen
  • Wanderwege rundherum erkunden
  • auch für Kinder gibt es viel zu Entdecken, sogar einen Streichelzoo
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Die Küche wird auch für Kochkurse benutzt werden (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

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Beim schlachten zuschauen? Yes, Please!

Am Schwarzbergerhof kann, wer will, auch den Schlachtbetrieb besichtigen. Teilweise ist das durch Glasfenster ermöglicht, da es sowohl aus hygienischen, als auch aus Gründen des Tierwohls nicht immer möglich ist, ganz nah dran zu sein. Ist das nicht makaber? Genauso makaber, wie Fleisch essen eben ist. Wer dies tun möchte, finde ich, sollte sich auch hin und wieder klar machen, was da alles dazugehört – eben auch das Töten. Das wird viel zu oft ausgeklammert. Wir Supermarktkonsumenten sind von Fleischprodukten zunehmend entfremdet, deshalb finde ich den Zugang des Schwarzbergerhofs, nämlich auch die Schlachtung zu zeigen, richtig und wichtig.

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Mit dem Fleischermeister im Schlachthaus

 

Auch bei der Weiterverarbeitung kann man natürlich dabei sein und z.B. nach kurzer Einweisung und unter fachkundiger Aufsicht selbst wursten. Der Fleischermeister in Residence, , ist ein irre lieber und gutmütiger Kerl. Danke für die spannenden Einblicke und die Wurst!

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Einweisung in die Kunst des Wurstens

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Auch der Weinkeller, ein altes Kreuzgewölbe, pipifein renoviert, kann sich sehen lassen.

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Ein Weinkeller, in dem man gern ein bisschen länger bleibt (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

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Für unzufriedene (kA wer das hier sein sollte) gibt es ein eigenes Sudererplatzerl, noch vor dem Zugang zum Weinkeller, damit die Vinophilen hier in Ruhe eine gute Zeit haben können. Gibts am Schwarzbergerhof auch etwas, das mir nicht gefällt? Ja, gibt es tatsächlich. Die Heizstrahler auf der Terrasse – für mich eine der unnötigsten Energieverschwender unserer Zeit. Es macht mich jedes Mal wütend, diese in Schanigärten zu sehen, egal wo, egal wann. In einen Betrieb, der so viele Ansprüche an Nachhaltigkeit erfüllt, gehören sie aber am allerwenigsten. Vielleicht kann man den Einsatz der Open-Air Heizung nochmal überdenken. Entweder es ist warm bzw. man packt sich warm in Kleidung und Decken ein, oder es ist kalt, dann macht man es sich eben in der guten Stube gemütlich. Die ist ja am Schwarzbergerhof auch sehr fein.

Was man so mitnehmen kann

Wenig überraschend, dass ich Fertiggerichte verabscheue. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Der Schwarzbergerhof hat ein paar echt feine Gläser im Sortiment, die mir schon den ein oder anderen hektischen Tag gerettet haben. Feinste Bio-Ware und anständige Zutaten werden von der Küchenmannschaft handverarbeitet und abgefüllt. Sehr, sehr fein. Diese Gläser gibts neben dem Hofladen auch im Online-Shop und einigen Feinkostläden in Österreich.

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Über 20 Biogerichte gibt es im Glas zu kaufen.

 

 

 

 

 

 

Take-away Schmalz vom Freilandschwein

Bio-Grammelschmalz vom Weideschwein

 

Der Hofladen ist überhaupt sehr nett, hier findet man garantiert nette Geschenke – für einen selbst oder für andere.

KurzUrlaub

Was mir besonders aufgefallen ist: hier ist alles sehr entspannt. Ich dachte vor meinem Besuch, es wirkt alles ein bisschen gekünstelt und marketingorientiert, aber ab Sekunde 1 am Hof wird man eines besseren belehrt. Hier wird einfach mit Überzeugung (und der nötigen Finanzkraft im Rücken) richtig gut gearbeitet. Auch die Menschen die ich dort getroffen habe, waren einfach angenehm. Das macht den Schwarzbergerhof zu einem geruhsamen, erholsamen Ort. Wer sich fragt, ob Fleisch essen heutzutage überhaupt noch vertretbar ist und wie das dann ausschauen soll, der kann ja mal hier herfahren und sich selbst ein Bild machen.

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Terrasse mit Weitblick (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

Meinen nächsten Besuch plane ich schon: Besonders fein wird’s wohl in der warmen Jahreszeit. Bei unserem Besuch war es schon recht kühl. Im Sommer wird es Grillplatz und Lagerfeuerstelle geben. Auch die Terrasse mit dem sensationellen Ausblick wird im Sommer ein Genuss sein. Es hat dennoch jede Jahreszeit ihren Reiz: Die gemütliche Stube und die hohe Bratl-Kompetenz sowie die Indoor-Rotisserie machen Winter-Ausflüge mindestens ebenso reizvoll.

Übernachten am Schwarzberghof

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Simpel aber komfortabel sind die traumhaften Zimmer (Bild: Schwarzbergerhof/A.Firmberger)

Wer’s wirklich ausgiebig genießen mag und die Zeit hat, dem empfehle ich am Hof zu übernachten. 6 Zimmer gibt es und ich finde sie wirklich gelungen – genau der richtige Mix aus modern und traditionell, irre gemütlich, geschmackvoll  und einfach genau richtig.

Genereller Tipp Für einen Besuch am Schwarzbergerhof:

Vorher kurz anrufen, fragen, was so los ist und sich anmelden, dann werdet ihr sicher bestens umsorgt und könnt alles sehen, genießen, erleben, was ihr wollt. Die Zimmer, der Weinkeller, das Bratl, die Führungen, Schlachten, Wursten – alles klappt am besten mit Voranmeldung.

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Frisch aus dem Ofen, das Bauernbrot vom Schwarzbergerhof

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Brettljausn: alles vom Schwarzbergerhof

 

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Coverbild: Schwarzbergerhof/Alexander Firmberger

Schwarzbergerhof GmbH
Mühlenweg 26
A-4274 Schönau im Mühlkreis

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