Restaurantempfehlung Wien | grace | Restaurant recommendation Vienna

(ENGLISH VERSION BELOW) Ich war mittlerweile ein paar Mal im grace und jedes Mal wieder begeistert. Es scheint nach wie vor eher ein Insidertipp zu sein, für mich mittlerweile Lieblingslokal. Wie meistens bei Lieblingslokalen ist es die Kombination von sehr sympathischen, leidenschaftlichen Menschen, überraschender, inspirierender Küche und angenehmer Atmosphäre, für die ich immer wieder gerne komme. Dass die Küche eines langjährigen Steirereck-Sous Chefs überzeugt, ist zu erwarten, das Konzept ist aber trotzdem neu und in vielerlei Hinsicht angenehm überraschend, die eigene Handschrift von Petra & Olive Lucas ist wunderbar sympathisch und macht jeden Besuch einzigartig. Im Juni bereichert das grace bereits ein Jahr lang die Wiener Restaurantszene, happy birthday, auf viele weitere Jahre und danke für die schöne Zeit, liebes grace!

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Petra und Oliver Lucas, die Gastgeber im grace. (BIld: Nikola Milatovic)

Petra und Oliver Lucas, die Gastgeber im grace. (BIld: Nikola Milatovic)

Im Juni 2016 eröffneten Petra Lucas und ihr Mann Oliver Lucas das grace im 4. Bezirk in Wien. Die beiden lernten sich im Four Seasons in London kennen und haben sich mit dem grace der Herausforderung gestellt, endlich ein eigenes Lokal zu eröffnen. Ein Glück, ich persönlich schätze alles an diesem Lokal sehr! Gerade in der Haubengastronomie mag ich es, wenn es trotz exzellenter Küche eher entspannt zugeht. Fachkompetenz ist mir viel wichtiger als besonders vornehmes Gehabe, zweiteres empfinde ich schnell als überkandidelt, aber das sieht jeder anders. Zum Glück sind solche neudeutsch genannte „casual fine dining“ Konzepte immer mehr im Kommen. Im grace gelingt es perfekt, zumindest genau nach meinem Geschmack. Die Atmosphäre ist entspannt, das Personal kann kompetent über Gerichte, Getränke und Bezugsquellen Auskunft geben, allen voran die Gastgeberin Petra Lucas, für mich eine der sympathischsten Gastronominnen die ich kenne. Wenn sie die Speisen und Weine erklärt, spürt man richtig, wie sie selbst begeistert ist. Das wirkt aber nie übertrieben. Es ist jedes Mal eine Freude, mit ihr zu plaudern, weil sie immer was zu erzählen hat. Das ist – neben dem Essen – ein wesentlicher Grund dafür, warum ich so gerne im grace zu Gast bin.

Gedeck im September 2016: Maisbrot mit Popcornbutter

Gedeck im März 2017: Gedämpfte Buns mit Pulled Pork & Kimchi-Gurken, alles hausgemacht natürlich

KÜCHENCHEF OLIVER LUCAS, VOM QUEREINSTEIGER ZUM SPITZENKOCH

Der Brite Oliver Lucas war vor Eröffnung des grace jahrelang im famosen Steirereck tätig. Vor über zehn Jahren kam er als Quereinsteiger aus London nach Österreich und arbeitete sich von recht weit unten bis in die tragende Rolle des Sous-Chefs hoch, wo er jahrelang als Heinz Reitbauers rechte Hand werkte und die Küche des zurecht viel gepriesenen Steirerecks maßgeblich prägte. Die beiden schaffen es, Ungezwungenheit und Gemütlichkeit mit exzellenter Spitzenküche zu kombinieren und das mag ich sehr. Die Preise sind sehr, sehr fair für das, was man bekommt – natürlich der Zutatenqualität entsprechend hoch, aber nicht ganz so elitär wie in anderen Lokalen, in denen man vergleichbar gut isst.

Im Grace ist es so: Es gibt 8 Gänge zur Wahl. Je zwei Vor-, Zwischen-, Haupt- und Dessertgänge. Daraus kann man vier, sechs oder acht wählen. Für mich ist das perfekt, weil ich Desserts nicht unbedingt haben muss und ich so ein Menü wählen kann, bei dem ich sechs pikante Gänge bekomme. Das ist aber nur meine eher ungewöhnliche Vorliebe, meine BegleiterInnen haben die Desserts in höchsten Tönen gelobt, also wenn man Süßes mag, empfehle ich mind. einen Dessertgang zu wählen.

Gerichte aus dem Menü im März 2017

Chicorée, Austernpilze & schwarzer Knoblauch

Karfiol, Mandel, Salzzitrone & Perigord Trüffel

Räucherforelle, Reis, Kokos & Basilikum

ZWEIERLEI HAUPTSPEISEN

Die Hauptgänge wurden mir bisher immer in zwei Gängen serviert. Jedes Mal habe ich mich über die kleine Überraschung gefreut, denn in der Karte steht davon nichts, dort steht nur das Tier, von dem das Fleisch kommt. Man bekommt dann meist zwei unterschiedliche Teilstücke und Zubereitungsarten. Das ist eine angenehme Überraschung, weil man noch mehr Kreativität erlebt und auch unbekanntere Teile kostet. Als „Nachschlag“ zum Hecht haben wir im März knusprige Tascherl mit Hechtleber bekommen – ein Gedicht, selbst wenn man Leber nicht mag sollte man unbedingt alles probieren, was aus Lucas‘ Küche kommt. Belohnt wird, wer offen ist, bisherige Geschmacksurteile („XY mag ich nicht“) hin und wieder zu überprüfen. Wenn so großartige Köche am Werk sind, kann es durchaus sein, dass man dann angenehm überrascht einsieht, dass eine negative Erfahrung doch eher an der Zubereitung undoder Zutatenqualität lag, nicht generell an einem Lebensmittel. Ich schätze es sehr, wenn die Gastronomie Gäste inspiriert, nicht immer nur Filet zu essen.

Hecht, Rote Rübe, Quinoa & Salzpflaume

2. Teil des Hechtgangs: Lebertascherl

Rhabarber, Holunder (crème brulée) & Sauerampfer(eis)

Petit Fours zur Krapfenzeit

GEMÜTLICHE STUBE & ANGENEHM KÜHLER GASTGARTEN

Das Lokal im vierten Bezirk wurde mit viel Fingerspitzengefühl modernisiert, der Wirtshaus-Charme inklusive Schank und Fliesen erhalten. Wundervoll ist aber auch der Gastgarten im Innenhof, wo auch ein entzückendes Salettl steht, das zum Lokal gehört. Derzeit nutzt es die Küchenmannschaft für allerlei Experimente wie Fermentieren etc.

Die gemütliche Gaststube

Die Weine

Naturweine findet man ebenso wie klassische, viele aus Österreich aber auch spannende aus dem Ausland, viele davon bio. Man merkt die sorgfältige Auswahl und Zusammenstellung der Weinkarte genauso wie man merkt, dass die Gerichte mit viel Liebe und großem Qualitätsanspruch zusammengestellt wurden. Es kann also eigentlich nur gut gehen. Denn Petra Lucas kann hervorragende Empfehlungen geben, wie wir bei jedem Besuch gemerkt haben. Danke dafür!

 

Gute Zeit im grace

Mein persönlicher Tipp: Ich gehe sehr gerne Samstag mittags hin, wenn mir nach etwas besonderem ist. Es gibt keine eigene Mittagskarte, sondern das aktuelle Menü und man bekommt leichter einen Platz. Das zählt für mich zu den entspannendsten, angenehmsten Dingen, die man samstags in Wien machen kann. Und man hat ein bisschen mehr Gelegenheit mit den Gastgebern zu plaudern, wenn nicht ganz so viel los ist wie abends. Ich war auch schon abends da, das Essen ist immer gleich gut. In der warmen Jahreszeit kann man mit ein bisschen Wetterglück den herrlichen Hofgarten genießen und in herrlicher Ruhe schmausen. Da vergisst man fast, dass man in der Stadt ist.

WARUM „GRACE“?

Angelehnt an die Bedeutung „Tischgebet“ soll der Name für Dankbarkeit und Wertschätzung  stehen. In vielen Kulturen ist das Tischgebet Teil der Esskultur. Im grace geht es dabei weniger um Religion als um den respektvollen und wertschätzenden Umgang mit hochwertigen, ordentlich produzierten Lebensmitteln und das gemeinsame Genießen. Auch ein Ansatz, der mir gefällt.

In diesem Sinne: Happy birthday, grace! Mögen noch viele weitere graceful Jahre folgen. Danke für die gute Zeit!

REstaurant recommendation vor Vienna: grace

This is a place that I can absolutely recommend. It is a small restaurant run by a lovely, passionate couple. The chef Oliver Lucas is the former sous chef of the famous Steirereck. He worked there with one of the world’s best chefs Heinz Reitbauer for many years before opening his own place called grace. It is rarely known among tourists, even in Vienna it is still an inside tip  in a more quiet district of Vienna. Also the price is very fair for what you get. Every main dish is served in two parts, an extra effort the kitchen makes to make every guest extremely happy. Double creativity, double delicous experience.

They work with carefully selected, high-quality ingredients, mostly from Austria with an international mindset. The best natural products the season offers are the main components in every dish. The couple who runs this restaurant is incredibly lovely, the service I experienced here during my visits is outstanding. A high-end restaurant that creates such a casual, authentic atmosphere while serving top-notch food is not easily found! I really appreciate when the person who waits the tables can explain everything you’d like to know about the menu and the wine.

Bonus: The hidden garden in the back is a real gem and another reason why grace is one of my top recommendations for Vienna. Especially in the warm season there is hardly a better place to enjoy food. Even during lunch it stays quite cool in the shadows under the trees.

1040 Wien, Danhausergasse 3. www.grace-restaurant.at +43 1 503 10 22 office@grace-restaurant.atOpening hours: Tue–Fri from 6:30 pm; Sat 12–3 pm and from 6:30 pm

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