Warum das Mercado wichtig ist und meine Empfehlungen zur Restaurantwoche Wien

Vom 22.-28.2.2016 findet in Wien wieder die Restaurantwoche statt. Schon zum wiederholten Male kann man in 80 teilnehmenden (teils Hauben-)Restaurants außergewöhnlich günstig essen – vorausgesetzt man lässt sich auf das Menü ein. Am Ende des Beitrags findet ihr eine Liste mit meinen Favoriten. Einen davon möchte ich Euch näher vorstellen: das Mercado. Weiter als zur Bar bin ich bisher nicht gekommen, die Drinks sind wirklich super sind. Alles, was an Früchten irgendwo reinkommt, wird zu Hochsaison eingelegt, eingefroren oder sonstwie selbst konserviert und das schmeckt man natürlich. Feinstens. Längst hatte ich mir vorgenommen, endlich auch mal zum Essen herzukommen. Denn wo es „Mieze Schindler Pisco“ als Getränk gibt, erwarte ich großes. Die lateinamerikanische Küche ist mindestens so spannend wie unerkundet – zumindest in Wien.

Die Frage „Kannst du ein gutes mexikanisches Lokal in Wien empfehlen?“ verleitet mich unweigerlich zu sehr ausführlichen Erklärungen, bevor ein Restaurantname fällt, weil eigentlich oft nach etwas anderem gesucht wird. Was bei uns als „mexikanisch“ bezeichnet wird, hat mit der mexikanischen Küche nur marginal zu tun. Wir bezeichnen damit meist Tex Mex Food, wie es sich in den USA verbreitet hat. Versteht mich nicht falsch, Burritos und Co. sind ja nicht per se schlecht, ich mag sie bei den Wrapstars,  in der Gorilla Kitchen oder bei Fresco Grill. Aber echte mexikanische bzw. lateinamerikanische Küche hat viel mehr zu bieten. Im Los Mexikas kommen wir der Sache schon etwas näher, wobei man sich auch hier etwas dem „Touri-style mexikanischen“ angepasst hat.

Von „Chili con carne“ haben die Mexikaner ca. so viel gehört, wie die Österreicher von „Sound of Music“, also nix, bis ihnen Touristen davon erzählen. Bunt, farbenfroh und kontrastreich mit viel Frische und Aroma, durchaus auch auf Haubenniveau findet man die einheimische Küche dann vor Ort vor. Besonders spannend finde ich die komplexen Saucen und Marinaden, oft sind es ganz neue Geschmackserlebnisse, die wir so einfach nicht kennen, Gewürze und Pasten, von denen bei uns kaum wer weiß. Das Mercado ist ein guter Ort, um zumindest den Hauch einer Ahnung zu bekommen, was lateinamerikanische Küche zu bieten hat, in Wien sicher der beste. Man merkt schnell, dass hier mit Alexander Theil einer in der Küche steht, der sich damit echt gut auskennt. An Top-Adressen in Lateinamerika hat er sich einen Namen gemacht, bevor er nach Wien zurückkam. Aber nicht nur das Handwerk des Küchenchefs begeistert mich. Zu gern wüsste ich, woher er seine Anchiote bekommt, oder Ancho Chilis. Ich bin sicher er hat bessere Lieferanten als ich. Diese Aromenkraft, wie sie das Mercado schafft, kommt nämlich garantiert nicht von herkömmlicher Ware.

Latin-inspired Market Cuisine

Ist das Mercado ein authentisches lateinamerikanisches Lokal? Nein, und zwar bewusst nicht. Die lateinamerikanische Küche ist ziemlich deftig, mit vielen Bohnen, und viel Frittiertem, zu scharf sowieso – wahrscheinlich zu viel für den Wiener Gaumen. Klaus Piber und Küchenchef Alexander Theil nahmen die typischen, spannenden Aromen und Kombinationen als Inspiration, setzten die lateinamerikanischen Einflüsse aber mit etwas mehr Leichtigkeit um. Sehr gelungen, wie ich finde. Viel frisches, aromatisches Gemüse, gekonnt abgeschmeckt, genau meins.Wenn ich mich nicht irre, kommt im Mercado vor allem die peruanische und mexikanische Küche zum Zug. Sie ist nur nicht ganz so exotisch, wie ich es vermutet hätte, wahrscheinlich, weil man viele Früchte und Gemüse bei uns nicht in entsprechender Qualität (und Restaurant-Mengen) bekommt. So geht’s mir zumindest, wenn ich aus PERU oder MEXICO nachkochen will.

Family Style statt klassisches Menü- ME gusta Mucho!

Normalerweise gibt es bei der Restaurantwoche ja ein Menü für die Gäste, im Mercado ist das ein bisschen anders: Hier wird „Family Style“ serviert – ich liebe diese Art des gemeinsamen Essens. Pro Gang kommen mehrere kleine Gerichte in die Mitte des Tisches zum Teilen. Es ist perfekt, weil man viel mehr als nur drei Gänge probieren kann. Das Ambiente ist bunt, die Atmosphäre trotz 2-Haubenniveau sehr entspannt und lässig.

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Das bunte Interieur passt sicher nicht überall, hier ist es aber einfach stimmig. Das Mercado ist ein Ort der Lebensfreude.

Diese Art des Dinners kann man übrigens immer – auch außerhalb der Restaurantwoche -bestellen, in 3, 4 oder 5 Gängen „Flights“, wie man hier sagt. Auch im Mercado gilt, was in allen Lokalen gilt: Keine Entscheidung ist die beste Entscheidung. Man möge sich einfach vorurteilsfrei in die Hände der Profis begeben, die Karte Karte sein lassen und sich bringen lassen, was die Küche für richtig hält. Die wissen schon ganz genau, was sie tun.

Die Bilder sind leider – wie so oft beim abendlichen Essen im Kunstlicht wirklich nicht schön geworden, lo siento mucho!! In Wirklichkeit war alles viel schöner, also überzeugt euch am besten selbst vor Ort 😉

3 Flights im Mercado WieN

Vorspeisen

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Yuzu*-marinierter Lachs, mexikanischer Chili, Zitrus-Knoblauchcroutons

Davon hatte mir Nina schon vorgeschwärmt, als ich in der Vorwoche mit ihr an der Mercado-Bar saß. Sie hatte natürlich Recht.

*Yuzu: eine vor allem im asiatischen Raum verbreitete Zitrusfrucht, irre gut und ebenso schwer erhältlich)

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Concha & Seafood Ceviche

Ich liebe Ceviche über alles – auch hier herrlich erfrischend mit  viel Zitrus und leicht scharf. Die Speisen sind in punkto Schärfe übrigens ziemlich gut auf den Wiener Gaumen abgestimmt, also für mich könnten sie deutlich schärfer sein. Wenn man das im Vorhinein sagen würde, wäre es aber sicher kein Problem.

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Salat mit geschmorten bunten Rüben, Avocado, mexikanischer Würzpaste und Joghurt

Was auf dem Bild wie ein unspektakulärer Blattsalat aussieht, ist eine köstliche Kombination aus geschmorten Rüben, cremiger Avocado und sehr fettem Joghurt. Auch hier trifft das Lokal genau meinen Geschmack, vor allem weil auch noch Sonnenblumenkerne für den nötigen Biss sorgen. Und das einheimische Wintergemüse der Saison wird gekonnt integriert.

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Gegrillter Oktopus, Erdäpfel & Tamarinden-BBQ Sauce

Das Bild ist leider (wie alle in diesem Beitrag) eine absolute Untertreibung, dieses Gericht sieht (in echt) nicht nur fantastisch aus, es ist auch geschmacklich ein Highlight. Wieder sind es die besonders g’schmackige Marinade und die Toppings, die uns über die Gesamtkomposition einfach nur staunen lassen. Butterzart war der Oktopus sowieso. Dieses Gericht solltet ihr unbedingt bestellen, nur eine kleine Warnung: durch die Braterdäpfel ist es für eine Vorspeise relativ sättigend. Aber man kann kein Stückerl übrig lassen, weil sogar so etwas wie banale Erdäpfel hier so super schmeckt.

Hauptspeisen

Hanger steak & Blattspinat mit Habanerobutter

Hanger steak & Blattspinat mit Habanerobutter

Fleisch und Fisch offenbar bester Qualität und durchwegs am Punkt gegart. die Anchiotepaste war besonders fein.

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Fischfilet mit Achiote & weißem Bohnenpüree

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Lachsfilet mit Erdäpfelpotpourri, Grapefruitsüppchen & Chiliöl

Auch hier wieder ein herrlicher Zitruskick, es macht einfach Spaß im Mercado zu sitzen und sich überraschen zu lassen.

Beilagen

Wir haben alle diese Speisen zu zweit bekommen, wodurch wir wirklich viel probieren konnten. Und weil es oft heißt, in Gourmet-Restaurants würde man nicht satt: Wir kamen beide hungrig und die 3 Flights waren für uns mehr als genug, die Beilagen vom Hauptgang haben wir nicht mehr ganz geschafft, obwohl sie sehr gut waren. Die Erdäpfel sind extrem knusprig, wahrscheinlich mehrmals frittiert aber trotzdem nicht unangenehm-fettig.

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Knusprige Erdäpfel mit Chili-Aioli

Noch besser als die Erdäpfel fand ich die marinierten schwarzen Bohnen mit Avocado und Koriander. Es kommt selten vor, dass ich kaum definieren kann, was in einer köstlichen Marinade verwendet wird, aber ich liebe es, neues zu schmecken, wie hier.

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Marinierte schwarze Bohnen, Avocado, Koriander

 

Bohnen und Mais sind in Lateinamerika viel wichtiger als bei uns. Als großer Hülsenfrüchte-Fan könnte ich mich in diese außerordentlich gut marinierten schwarzen Bohnen reinlegen. Kaum jemand glaubt, dass Bohnen so gut schmecken können.

Desserts

Beide schon mehr als satt, baten wir nur noch kleine Portionen Dessert anzurichten. Und ich bin ja sowieso kein Dessert-Fan, aber was das Mercado auf den Tisch stellt sollte jeder probieren, weil es diese sehr spannende Eigenkreation ist, die man so nirgendwo bekommt:

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Die legendäre Crème Brûlée auf Mais-Basis

Crème Brûleé kommt mit karamellisiertem Popcorn garniert und (mildem) Schokoladen-Chilieis zu Tisch. Das besondere: sie ist auf Mais-Basis hergestellt, wirklich genial. Ich habe im Sommer schon mit Mais als Basis für Eiscreme experimentiert, weil man damit eine extrem spannende Konsistenz erzielt. P R O B I E R T  E S. Ich liebe es sehr, wenn ich beim auswärts-essen Gerichte bekomme, die mich überraschen. Das passiert hier eigentlich bei jedem Gang und allein deshalb ist das Mercado schon einen Besuch wert.

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Schoko-Chili-Eis

Es klingt echt kitschig, aber wirklich alles, was wir auf den Tisch bekommen haben war eine wahre Explosion von Aromen. Das Mercado hat uns ziemlich ins Staunen gebracht. Ich kann also uneingeschränkt empfehlen, hier herzukommen, um eine Idee von lateinamerikanischer Kulinarik zu bekommen.

Von Pisco Sour bis Mostviertler Craft Beer

Auch die Getränkekarte kann was: Pisco Sour sollte man sich zum Einstieg nicht entgehen lassen. Am besten fragt man den Chef, nach seiner Empfehlung, er hat nämlich einiges an spannenden natural wines in petto. Craft Beer gibt’s sympathischerweise von der Kleinbrauerei Bruckner aus dem Mostviertel.Nix davon wirkt aufgewzungen, sondern wirklich liebevoll selektiert. Von den meisten Lokalen stiefmütterlich behandelt, im Mercado ganz große Klasse: antialkoholische Getränke. Der Zitrusfruchtmix ist super, die Argentina Mate Infusion auch. Die Mixgetränke bestelle ich immer mit wenig Zucker, dann sind sie perfekt, aber ich bin da auch eher eine Ausnahme und sehr süße-empfindlich.

Pisco Sour

Pisco Sour

Und als wär das sensationelle Essen und Trinken  nicht genug: Das Mercado ist mir einfach rundum sympathisch. Die Leute, der Family Style, die entspannte Atmosphäre, man hat hier einfach eine gute Zeit. Und auf der Speisekarte steht noch so einiges, was ich unbedingt probieren muss. ¡Hasta luego, Mercado!

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Gemütlich! Die (Zigarren-)Lounge im Keller kann man auch mieten

 

 

PS: im Sommer 2015 habe ich mich sehr geärgert, dass ich das Gastspiel der mexikanischen Spitzenköche Benito Molina und Solange Muris im Mercado auslassen musste. Denn wie eingangs erwähnt, die echte lateinamerikanische Spitzenküche ist in Wien kaum vertreten – einmalige Chance verpasst, Lisa untröstlich. ABER Klaus Piber hat durchklingen lassen, dass er schon wieder neue Pläne schmiedet. Sobald hier konkretes feststeht, werde ich diese Chance freilich rausposaunen, damit so viele WienerInnen wie möglich die lateinamerikanische Küche in ihrer Herrlichkeit erleben können.

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Die Restaurant Woche Wien – EmpfehlungeN

Termin::22.-28.2.2016. 80 Lokale machen dieses Mal  mit.Tische reserviert man auf der Website, was ich auch empfehlen würde, denn ohne wird’s eher schwierig einen Platz zu ergattern. Auf der Website findet ihr auch die jeweiligen Menüs, die Euch erwarten.

  • 2-gängige Mittagsmenüs für 14,50 EUR / 19,50 EUR in 2-Hauben-Lokalen
  • 3-Gänge-Abendmenü für 29,50 Euro / 39,50 EUR in 2-Hauben-Lokalen

Hier meine Lieblinge unter den teilnehmenden Restaurants, über die Links findet ihr die jeweiligen Menüs für die Restaurantwoche.

Zur Website der Restaurantwoche

Werdet ihr die Restaurantwoche nutzen? Wenn ja, wo wollt ihr hin?

Sponsored Post: Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Restaurantwoche.

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