Zum G’schupftn Ferdl: „A geile Jausn“ bei Wiens erstem Bio-Heurigen

You had me at “Wienerlied-Wurlitzer”

Wer weiß, wie sehr ich das gute alte und das gute neue Wiener Lied liebe, kann sich ca. vorstellen, dass ich schon beim Stichwort “Wienerlied-Wurlitzer” quasi am Weg in das neue Etablissement im 6. Wiener Gemeindebezirk war, jeden Samstag sogar Wienerlied Livemusik -nein wirklich, so leiwand. Und da reden wir noch gar nicht vom Essen.

Wo würde der Bockerer heute auf “a Jausn” gehen? Letzten Winter hab ich noch ganz begeistert von der Vollpension geschwärmt. Jetzt ist den Gebrüdern Stitch, alias  Mike Lanner & Moriz Piffl schon wieder “wos deppats” (Zitat!) eingefallen und zum Glück haben sie es auch gleich umgesetzt: Hurra, Hurra, Wiens erster Bio-Heuriger ist da. Und der ist eines ganz sicher nicht: deppat. “Zum G’schupftn Ferdl“ heißt der neue Brettl-Hot-Spot, nicht nur wegen dem Lied, sondern auch wegen der supergenialen Lage in der Windmühlgasse, im Ferdinand-Raimund-Hof. Zugegeben, um das Vorgänger-Lokal kontrapunkt ist mir schon leid, aber es tröstet, dass beim „g’schupftn Ferdl“ auch ein Part des kontrapunkt-Teams mitwirkt, Nick Pöschl, nämlich, der mit Stefan Csiszar den Betrieb führen wird.

In der Küche gibt keine geringere als Parvin Razavi den Ton an, jawohl, das Wiener Küchenjuwel mit persischen Wurzeln, das auf thx4cooking bloggt und Veranstaltungen in und um Wien schon seit geraumer Zeit mit ihrem Cateringservice kulinarisch aufwertet. Unter der Woche gibt’s von ihr köstliche Mittagsmenüs auch zum Mitnehmen, ein echtes Yeah für alle Büros in der Umgebung. Übrigens ist der “Ferdl” das erste Lokal, das beim #tierfreitag mitmacht, ein weiterees Sympathieplus. Sogar die Jausn gibt’s in der biologisch abbaubaren Bentobox zum mitnehmen. “Signature Dish” sind Ferdls Schupfkrapfen – gefüllt mit Blunzn oder in der vegetarischen Variante mit Bergkäse, auch vegan, wenn’s der Gast will.

Bio-Grillhendl aus dem Thayatal mit Saucen von Parvin – nehmt mein Geld!!

Wo bekommt man schon in Wien ein gscheites Bio-Grillhendl? Wenn das Wetter passt, Sonntag mittags beim Ferdl. Na bitte, geht doch, es gibt immer mehr Angebot in Wien für bewusste Fleischliebhaber, das freut ungemein. Und Gastgarten gibt’s auch. Jo na eh, billig is’s ned, aber wer will schon billiges Fleisch, jedenfalls niemand, der sich auch nur annähernd mit dem Thema auseinandersetzt. Danke Ferdl-Crew, Danke Parvin! 

 Mein Favorit: Der Medizinalrat

Brettljausn für Feinspitze, bio-zertifiziert.

Bei all dem coolen Drumherum, Wienerlied und 360°-Pixel-Bespielung könnte man meinen, die wollen vom Essen ablenken. Das Essen ist wirklich perfekt, z.B. kommt auf die Ferdl-Brettljausen der beste Schinken von ganz überhaupt, von Roman Thum, dem ich hier schon mal gehuldigt habe. Es gibt genug Auswahl für bewusste Fleischesser, Vegetarier und Veganer. Man merkt, dass sich die Betreiber sehr, sehr lange mit der Lieferantenauswahl beschäftigt haben. Das macht den Einkauf ziemlich kompliziert, wie Moriz uns erzählt hat, fast jedes Produkt kommt von einem anderen Bauern. Genau das macht die Jausenbrettl aber wirklich einzigartig und das beste: Der G’schupfte Ferdl ist das erste bio.zertifizierte Heurigenbuffet Wiens*. DAS ist ein echter Win hier in meiner Lieblingsstadt. Danke, Ferdl!

Als Feinspitz bin ich ja nicht unbedingt jemand, der immer nur Sachen die auf -espuma enden auf dem Teller haben will. Aber sehr wohl jemand, der den Kartoffelsalat aus dem 10-Liter-METRO-Gebinde von frisch zubereiteter Hausmannskost unterscheiden kann. Genau darum gehts: good old Heurigenessen, aber mit erlesenen Produkten, bei denen man weiß, dass man für Qualität bezahlt, mit gutem Gewissen genießen kann und nicht über den Heurigentisch gezogen wird. Und 1,90 € für das Achtel Hauswein, ja, das ist echt OK. Damit das mit der Qualität auch jeder glaubt, kann man in der Küche auch sitzen und zuschauen. Oder nur zuschauen und die Zirbenstubn aus Papier bewundern. Oder das Arsenal an Sonnentor-Gewürzdosen. Ja, ziemlich leiwand ist das hier, ich komme wieder, nicht nur wegen den Wiener Liedern, ich schwör’s.

„Der Hauptraum ist weitgehend kitschfrei, im Keller hamma dann ordentlich auf die Scheisse ghaut“

Und der Keller kann einiges. Schnapsfass & Schießbude – nebeneinander, der Sommer wird spannend. Mein persönliches Highlight ist der original Donkey-Kong-Spieltisch (den ich nicht fotografieren durfte, der gesamte Keller war den Inhabern leider noch nicht hübsch genug für Fotos) An dieser Stelle bin ich extrem nostalgisch geworden, weil ich sämtliche Sommer meiner Kindheit zu mind. 50% im kühlen Keller von Freunden verbracht habe, wo es alles gav, was man brauchte: das komplette NINTENDO-Repertoire und ein Gefrierschrank voll Eis. Zurück zum Thema.

Ihr seht ich kommt vom Hundertsten ins Tausendste – das liegt daran weil das Ferdl-Team in der Konzeption selbst aus detailverliebten, exorbitant kreativen und irrwitzigen selbsternannten i-Tüpferl-Reitern besteht. Noch beim zehnten Besuch werd ich wahrscheinlich neue Skurrilitäten entdecken, die den “Ferdl” schon jetzt zur Kult-Location machen. Klar kann dort und da noch nachgebessert werden, beim Service zum Beispiel, aber so ist das nun mal bei neuen Mitarbeitern an neuen Arbeitsplätzen, wir sind ja in Woche Eins bitte, ein Zeitpunkt an dem ich Restaurantkritiken schwachsinnig finde. Ein Hoch auf die arbeitsintensive Produktauswahl im Vorfeld, die für vieles entschädigt. 

(Bild: Zum G’schupftn Ferdl)

Öffnungszeiten für Früh- und Spätjausner

Ambitioniert sind die Öffnungszeiten beim g’schupftn Ferdl: 7 Tage die Woche von 9:00 bis mindestens 24:00 geöffnet. “Weil man in Wien zu späterer Stunde oft nix g’scheits mehr kriegt”. Wäre fein, wenn der Wille, das zu ändern auch von den Gästen mit zahlreichem Besuch honoriert wird. Auch das Frühstücksangebot klingt verlockend, die Tatsache, dass vom Kernöl in der Eierspeis bis zum Schnittlauch am Brot wirklich alles Bio ist, unterscheidet den Ferdl vom – zugegeben in Wien sehr reichlich vorhandenen – Frühstücksangebot.

Von “Praterwiese” bis “Reparatur” ist bei mehr als einem Dutzend Frühstückoptionen für jeden was dabei.

Und ja, man merkt an allen Ecken, dass hier dieselben Hirne am Werk waren, wie schon in der genialen Vollpension. Erweitert um eine großartige Küchenchefin und wirklich, wirklich gute Grundprodukte. 

Adresse: Zum g’schupftn Ferdl, Windmühlgasse 20, 1060 Wien

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*Bedeutet vereinfacht, dass dort zu 100 % Bio-Lebensmittel auf den Tisch kommen. Die Hermelin-Plüschuhr im Keller ist also nicht bio (leider kein Foto, aus Gründen.)

Eine Runde von Bloggern wurde in der Eröffnungswoche vom Ferdl-Team auf eine Brettljausn eingeladen, Danke dafür und fürs geduldige Fragen beantworten. Das war mein erster, aber nicht einziger Besuch. Dieses Posting ist eine unentgeltliche, ehrliche Meinung.

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